Kirchenchor Cäcilia

Kirchliche Sängerchor an der Kapuzinerkirche lnrath “/
„Kirchenchor St. Elisabeth, Krefeld-lnrath“.

Chronik aus dem Jubiläumsheft 1883-1953 60 Jahre

Auf Wunsch und Veranlassung der Pfarrgeistlichkeit von Liebfrauen, vor allem
des hochw. Herrn Pfarrers Pauly, übernahmen die hochw. Kapuziner Patres
am 4. Januar 1892 die Seelsorge am lnrath, dem nördlichsten Teil der Stadt Krefeld
und zugleich dem nördlichsten Teil der damals, weil ausgedehnten Liebfrauen-
Pfarre. (Die Pfarrkirche St. Anna wurde in den Jahren 1901 bis 1903 erbaut.)
Am 5. Januar 1892 schon konnte die kleine, in Holzkonstruktion errichtete
Notkirche vom hochw. Herrn Dechanten Lefranc die kirchliche Weihe erhalten und
der Gottesdienst am lnrath beginnen. Der Gedanke, dass mit einem geordneten Gottesdienst auch ein geordneter Kirchengesang verbunden sein müsse, fand schnell Verbreitung.
Aus dem heute fast vergessenen ehemaligen Männergesangverein „Morgenröte”,
der im Lokale Greiffenstein am unteren lnrath tagte, landen sich die
ersten katholischen Herren, die immerhin schon musikalisch vorgebildet und
als Sänger anzusprechen waren, mit anderen Interessenten am lnrath zur Gründung
eines kirchlichen Sängerchores. Nach einer provisorischen Versammlung vom
26. Februar 1893 wurde in der konstituierenden Versammlung am 5. März1893
im Lokale Greiffenstein der „Kirchliche Sängerchor an der Kapuzinerkirche lnrath“ gegründet. Erster Präsident des Vereins war der hochw. Herr P. Joseph Leonissa
als Superior des damals kleinen Klosters. Den ersten Vorstand bildeten die Herren: Hermann Steeger :Vorsitzender; Laurenz Boves: Schriftführer, Alex Zeiffer: Kassierer, August Meyers : Archivar. Bei der Gründung zeichneten sich 23 Mitglieder in die Liste ein. Erster Dirigent war Herr Hauptlehrer Th. Schewior.
Probelokal war die Wirtschaft Florange (später Laux, heute Mechthold) an der Hülser Straße. Die Arbeit der ersten Probe am 12. März 1893 führte in die Liturgie des Palmsonntags ein. Es wurden die Antiphonen und Responsorien geübt, und der Chor trat am 26. März 1893, Palmsonntag zum erstenmal als aktiver Mitgestalter der Liturgie vor die Kirchengemeinde. Durch fleißiges Proben und Mitgestalten des Sonntags- und Fest-gottesdienstes war der Chor nach 3 Jahren in der Lage, am 23.August 1890
bei der Consekration der heutigen Klosterkirche und beim Einzug in das neue Gotteshaus in größerem Rahmen mitzuwirken. Beim feierlichen Einzug des hochw. Herrn Weihbischofs S. Schmilz von ‘Köln und beim Pontifikalamt sang der Chor die vorgeschriebenen liturgischen Gesänge: Ecce Sacerdos, das Choralproprium des betreffenden Tages, die vierstimmige Messe von Scharlach für Männerchor und zum Offertorium die Motette „Terribilis est” vierstimmig von Machioletti.
ln der Folgezeit hat der Chor noch oft das Lob Gottes gesungen.
Zahlreich sind ja die Gelegenheiten in der Klosterkirche Hochfeste der
Kirche, eigene Feste des Ordens. Abschied von Missionaren, Feste des Chores
selbst. Gemäß den strengen Ordensregeln wurde auch immer auf strenge Einhaltung
der Liturgie gesehen, und so blieb der Kirchenchor lange Jahre ein Männerchor,
dem zeitweise eine Knabenschola beigegeben war. Seit dem Jahre 1903 war das Probelokal in der Wirtschaft Höbertz an der lnrather Straße.
Mit den Jahren waren die Aufgaben des Klosters für den Orden selbst und auch für
den weiteren Bezirk Krefeld gewachsen. Das Krefelder Kloster beherbergt die Philosophieschule (Philosophicum) des Ordens für die rheinisch-westfälische Kapuzinerprovinz. Mit dem Wachsen der Stadt Krefeld wuchs auch
der Seelsorgsbezirk lnrath. Kloster und Seelsorgsbezirk wurden insofern getrennt,
dass das Kloster am 11′. April 1920 zum eigenen Pfarrrektorat erhoben wurde.
Der hochw. Herr P. Raphael wurde erster Pfarrrektor. Bis dahin war der jeweilige
Guardian (Oberer) des Klosters zugleich Präses des Chores. Seit 1925 ist geborener Präses der jeweilige Pfarrrektor. Der Krieg 1914-18 und die Nachkriegszeit mit Inflation und politischen Unruhen wirkten hemmend auf den Chor.
Nicht nur, dass der Chor Gefallene zu beklagen hatte, sondern auch die Umwertung der Werte hat dem Idealismus mitgespielt. Dazu kam noch, dass Herr Konrektor Gair, der nach Herrn Th. Schewior den Chor 25 Jahre geleitet hatte, aus Alters- und Gesundheitsrücksichten sein Amt niederlegte. Er wurde in Anerkennung seiner Verdienste zum Ehrendirigenten ernannt. Da ein Unglück selten alleine kommt, so kam nun noch hinzu, dass Herr Jakob Lichters, der neben dem Präses die Geschicke des Chores in selbstloser Weise geleitet hatte, diesen mühevollen Posten nicht länger beibehalten konnte. ln dieser Notzeit übernahm Herr Leo Pütters, die Leitung des Chores. Mit feinem Geschick wusste er die Krisenzeit zu überbrücken und als nach Ostern des Jahres 1927 vom Herrn P. Raphael ein neuer Dirigent, Herr Deitmer, gefunden war und im Juni desselben Jahres Herr P. Arnold die Leitung des Rektorates und das Präsidium des Chores übernahm, stand der Chor wieder schnell in voller Blüte.

Nun kamen; Pläne zur Ausführung, die in der Kriegs- und Nachkriegszeit nicht reifen wollten. Das Jahr 1928 brachte die Erfüllung eines langen gehegten Wunschs.
Der leider zu früh verstorbene Herr Johann Klinkenberg halle als 2. Vorsitzender
neben dem Präses die Leitung des Chores übernommen. Sein Ehrgeiz bestand darin,
dem Chor endlich, koste es was es wolle, zu einer Vereinsfahne zu verhelfen.
Auf Grund seiner Tatkraft in Verbindung mit der klugen und vermittelnden Haltung und Führung des hochw. Herrn P. Arnold `und der Bemühungen der Mitglieder, konnte Herr Klinkenberg den 13. Mai 1928 (5. Sonntag nach Ostern) als bedeutendes Datum in die Chronik schreiben.
lm Jahre1928 wurde das St. Raphaelsheim durch Vereinsbeschluss, Probelokal des Chores.
Der Männerchor wurde durch Heranziehung der Gesangabteilung der Marianischen Jungfrauenkongregation mehr und mehr zu einem gemischten Chor. Der Chor erhielt die Satzungen des Diözesanverbandes der Erzdiözese Köln und führte nun den Namen „Kirchenchor Cäcilia Krefeld-lnrath, Kapuzinerkirche.“
Am 13. Mai 1928 wurde das 35jährige Bestehen des Chores in Verbindung mit
der Weihe der nun endlich erstellten Vereinslahne gefeiert.
Die Paramentenanstalt Peters lieferte ein Meisterstück, welches noch heule Auge und Herz erfreut. Die Fahnenweihe wurde ein Fesl, wie man es am lnrath selten gesehen hat.

31 Vereine nahmen an dem Festzug teil und zur Ehre sei es gesagt sämtliche damaligen Kirchenchöre der Stadt Krefeld nahmen teil. Zehn Chöre (Kirchenchöre und weltliche Chöre) gestalteten das Festkonzert. Das der Kirchenchor am lnrath bei der musikalischen Gestaltung den Löwenanteil bewältigte (Festakt, Festhochamt, Konzert, Schlussfeier) versteht sich ‘am Rande.
Die Zeit seit 1933 und die Zeil des Krieges 1939-45 brachten dem Chor schwere Wunden.

Die Bilanz wies auf: *Eine zertrümmerte Kirche, das völlig ausgebrannte St. Raphaelsheim, viele Mitglieder im Kriege gefallen. Herr Josef Bruns, Dirigent des Chores kehrte nicht heim, Herr Heinz Schmilz, Vorsitzender des Chores starb an einer schweren Krankheit und an den Folgen des Krieges.
Und wieder waren es Herr P. Arnold und Herr Leo Pütters (wie 1927) die 1945 den Chor aus den Wirren, Irrungen, Einberufungen, Evakuierungen sammelten und wieder auf die Beine stellten um, wenn auch ganz von vorne, wieder anzufangen. Aber als Großes verzeichnet die Chronik die Tatsache, dass wieder angefangen wurde.

Gemäß den Bestimmungen des Ordens und der Ordensregeln wurde Herr P. Arnold infolge turnusmäßiger Umbesetzung der Stellen versetzt und der hochw. Herr P. Anselm übernahm im Herbst 1945 die Leitung des Rektorales und das Präsidium des Chores. Sein Verständnis für die Musica sacra und sein Eifer für die Gloria Dei, haben den Chor seinen Eingebungen willig folgen lassen und als ihm im Herbst 1945 Herr Paul Steeger als 2. Vorsitzender zur Seile trat, war das für das Aufblühen des Chores das wichtigste Fundament. Die Notjahre 1946-48 wurden zu einem großen Teil durch die Initiative des Herrn P. Steeger gemeistert, wie man es nicht für möglich gehalten hätte. 1948 konnte dann mit fünf Jahren Verspätung das goldene Jubelfest gefeiert werden.
Der Chor war wieder so stark, dass sechsstimmige Messen (z. B. O crux ave-Messe von Nekes) ohne größere Schwierigkeiten einwandfrei vorgetragen werden konnten.

Seit Neuordnung des Cäcilienverbandes trägt der Chor heute den Namen
„Kirchenchor St. Elisabeth, Krefeld-lnrath“.

Am 3. Mai 1951 (Christi Himmelfahrt) waren dem Chor beim feierlichen Einzug in das wiederhergestellte Gotteshaus ein größerer Rahmen zur musikalischen Ausfüllung gegeben (Messe mit Orchester). Herr’ Josef Deitmer, über 25 .Jahre (mit kurzer Unterbrechung) musikalischer Leiter des Chores, hat es verstanden durch gründliche Schulung auf breiter Basis aus dem Chor einen Kulturfaktor zu schaffen.
Zum heutigen Jubelfeste hat der Chor aus freudigem Anlass und aus Dank gegenüber dem Allerhöchsten keine Mühe gescheut, eine große Messkomposition einzustudieren,
eine Komposition aus der Zeil der Wiener Klassik, Josef Haydns Mariazeller Messe für vier Solisten, Chor, Orchester und Orgel.
Das Bäumchen, das vor 60 Jahren gepflanzt wurde, ist zu einem stattlichen Baum geworden. Alles hat er überstanden: die Zeiten haben sich zwar gewaltig geändert, aber Ideale und Ziele sind dieselben geblieben: Pflege der Musica sacra zur Erbauung der Gemeinde und zur Ehre Gottes, getreu dem Wahlspruch:

Omnia ad majorem Dei gloriam.

1953 Kirchenchor Cäcilia 60 Jahrfeier am Raphaelsheim Hülserstr. 471 Chorleiter Joseph Deitmer untere Reihe 4. v. l. Vorsitzender Paul Steeger 2.v.l. Präses Pater Anselm 3.v.l. Fahnenweihe war 13.5.1928

Quelle Bild : Archiv – BV Inrath

Der erwähnte Baum am Schluss hat die Zeit nicht überstanden. An gleicher Stelle wurde ein Neuer gepflanzt der nun auch schon einige Jahre alt ist.

Der Chor löste sich 1975/76 auf .
Die verlinken Musikstücke sollen nur ein Beispiel sein.

Quelle : Jubiläumsheft zum 60. Archiv BV-Inrath